Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Ich kam aus Namibia und fand im „Häusle“ ein zweites Zuhause.

— Giselher Hoffmann, Stipendiat 2004

Stuttgarter Spuren – später

Dass ich erst jetzt schreibe, am Ende, und nicht früher, hat mit der Form des Weblogs zu tun. Ich bin es gewohnt, Tagebuch zu schreiben, und ich publiziere Texte. Das eine erledige ich handschriftlich, für das andere brauche ich meinen Computer. Tagebuch zu schreiben ist für mich etwas zutiefst Privates, der Adressat bin niemand anderer als ich selbst – die Texte, die ich publiziere, sind fertige Werke (sofern je ein Werk fertig sein kann), sind Ergebnisse, denen man den vorausgegangenen Prozess nicht mehr ansieht, idealerweise. Ein Blog ist die Verbindung von beidem und zugleich ihr Gegenteil: ein öffentliches Tagebuch zum Prozess des Arbeitens, wenigstens der ursprünglichen Wortbedeutung nach. Dass ich diesen Beitrag am Computer tippe (der Versuch, ihn mit der Hand zu schreiben, ist gescheitert), zeigt mir, welcher Aspekt dabei in mir überwiegt, mein Schreiben lenkt: das Faktum der Publikation, das Wissen um Öffentlichkeit – und damit, wie bei mir immer, die Skepsis gegenüber dem Augenblicklichen, dem Unmittelbaren, dem sogenannten Authentischen. Nicht, weil ich den Augenblick nicht wertschätze (das tue ich immer mehr), aber wenn es ums Schreiben für eine Öffentlichkeit geht, empfindet etwas in mir die Notwendigkeit, dem Erlebten Zeit zu geben, es sich im Gedächtnis „setzen“ zu lassen, wenn man so will (ich habe erst kürzlich hier in Stuttgart ein Buch gelesen über das menschliche Gedächtnis). Etwas in mir möchte warten, bis sich augenblickliche Stimmungen und unmittelbare Eindrücke gelegt haben, der Gedächtnisnebel zu einem Ereignis einigermaßen aufgeklart ist, nachdem die vielen einzelnen winzigen, unterschiedlichen, auch widersprüchlichen Erlebnis- und Erinnerungspartikel zu Boden gesunken sind an den Gedächtnisgrund, ihren Platz an den Synapsen dort gefunden haben und ins Altgedächtnis gewandert oder aber im Nirwana des Vergessens verschwunden sind. Wenn der Nebel sich verzogen hat im Kopf, kann das Schreiben beginnen. Ich kann jetzt also bestenfalls versuchen, einen vorläufigen Endbericht zu schreiben über meine Zeit hier, der zugleich – nachdem mit jedem Abrufen einer Erinnerung ihre Veränderung bewirkt wird – das, was ich später davon erinnern werde, formt und dabei transformiert.

Weiterlesen »

Of Mice and Men

Foto: Ron Segal

My Uncle called me up to say that my grandmother has a mouse in her apartment and asked whether I would mind installing some glue mousetraps, which he had bought, and remove the harmless rodent once it gets caught in the trap. I said that I would love to help my grandmother out and install the traps but that I cannot, in good conscience, remove them should the mouse get caught. Glue mousetraps are especially cruel; death is much slower than with the traditional type trap; trapped mice eventually die from exposure, dehydration, starvation, suffocation, or predation. I simply won’t be able, I admitted, to listen to the helpless twitting of the poor thing and stare into its beady black eyes. Just set up the traps then, my uncle said, and I’ll take care of the rest. So I set up the traps – poorly I might add – in the kitchen cabinet and before closing the doors I whispered: Beware, trap!

Weiterlesen »

Each of Us Has a Name

There is this beautiful poem by the late Israeli poet Zelda Schneurson Mishkovsky, known simply as Zelda, titled “Each of Us has a Name”. A naive title at first glance; after all, do you know anyone who doesn’t have a name? If he or she didn’t have one, you probably wouldn’t know them for you wouldn’t be able to address them in the first place. Weiterlesen »