Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Die Atmosphäre war faszinierend: In einer großen Stadt leben und gleichzeitig sehr geborgen sein in dem alten Haus. Man konnte losziehen und war dennoch beschützt.

— José F. A. Oliver, Stipendiat 1988

(sechs)

4.3.88, die handschrift straff und etwas wackelig, blaue tinte, neun zeilen lang – wenn man die grußworte mitzählt -, das sind die daten des ersten eintrags, in dem er, der bäcker, erwähnung findet, ich habe zwei nächte wunderbar geschlafen, trotz bäckerei, schreibt sophie f. da, ja, die bäckerei, also, die muss ich hier auch einmal […]

(fünf)

das schreiben in ein gästebuch ist auch eine komische sache, weil es adressiert, ohne zu kennen, oder in der kenntnis der angesprochenen person, aber eben in aller öffentlichkeit, nicht wahr, so denke ich zumindest, ein bisschen wie ein analoges facebook, wo also a sich an b wendet, im wissen -und der hoffnung-, c, d, e, […]

(vier)

eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, zwei beiträge pro woche zu veröffentlichen, so pi mal daumen zumindest, ungefähr, weil das internet bekanntermaßen ein echtzeitmedium ist, heißt: neuigkeitswert und aufmerksamkeit invers proportional, zumindest glaube ich, dass man das so sagen kann, aber, egal, denn tatsache ist, dass ich in echt nicht hier war, sondern andernorts, und […]

Gastbeitrag Viktor Dallmann

Nichts gefunden haben beim Landgang (von Viktor Dallmann)

für jeden Wolfgang B.

Dieser Wind und wir sind ja nicht am Meer Ein wortverwehter Kanalarbeiter und sein Uninstrument ist ein Bohrer der klingt schon wie gern würde ich den Weg falten hier an der Stelle unterhalb deiner Dinge um schneller zu sein das kennt man doch

[…]

(drei)

aauf der ersten seite des gästebuchs (übernachtungsgäste im braunen zimmer, 1) findet sich der vermerk, lieber übernachtungsgast, bitte tragen sie in dieses heft ihren namen + anschrift + telefonnummer und das datum ihrer übernachtung ein, mit den adressen, denke ich, ist das ja so eine sache, nicht wahr, wenn ich diese bücher nämlich durchblättere, dann […]