Stuttgart liest ein Buch 2019

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    “Ich danke Arno Geiger für diesen Roman, der von den kleinen Leuten nicht als Rädchen im Getriebe, sondern als Handelnden erzählt.” Kathrin Schmidt über “Unter der Drachenwand”

    © Stuttgarter Schriftstellerhaus

    Von Anfang April bis Ende Juni 2019 war Kathrin Schmidt als Lyrikstipendiatin zu Gast bei uns im Schriftstellerhaus. Natürlich blieb ihr nicht verborgen, daß Stuttgart ein Buch lesen wird und so las sie mit. Wir freuen uns sehr, dass sie uns über ihren Leseeindruck schrieb:

    “Weil Stuttgart liest, las ich auch, nämlich zum zweiten Mal Arno Geigers Roman „Unter der Drachenwand“. Obwohl zwischen erstem und zweitem Einblick in das letzte Kriegsjahr des jungen, an der Front verwundeten und den neuerlichen Einsatz mehr und mehr fürchtenden Veit Kolbe nur etwas mehr als ein Jahr lag, war ich erstaunt, wie die Farben gewechselt hatten. Sah ich beim ersten Lesen Brasilien gar in den vom Brasilianer geschilderten Farben oder das zerbombte Darmstadt in Blut und Flammen, sah ich Budapest, wie ich es in den 70ern selbst kennengelernt hatte, nämlich zumindest etwas bunter als das fahle Ostberlin, so war es diesmal wohl der Sog der Sprache, der  mich von allen farbigen Zutaten ablenkte und einen Film in Schwarzweiß auf die innere Leinwand projizierte. Einen harten, kargen, sich jeglichem Anstrich entziehenden Tonfilm, in dem es  Menschen danach verlangte, eines anderen Hand zu erreichen.

    Auf bittere Weise erleichtert, dass Veit Kolbe das schaffte, dankte ich jetzt gern Arno Geiger für diesen Roman, der von kleinen Leuten nicht als Rädchen im Getriebe, sondern als Handelnden erzählt, die eine Herkunft haben und sie verwundet und verwundert hinterfragen müssen.”

    © Stuttgarter Schriftstellerhaus

    Von Anfang April bis Ende Juni 2019 war Kathrin Schmidt als Lyrikstipendiatin zu Gast bei uns im Schriftstellerhaus. Natürlich blieb ihr nicht verborgen, daß Stuttgart ein Buch lesen wird und so las sie mit. Wir freuen uns sehr, dass sie uns über ihren Leseeindruck schrieb:

    “Weil Stuttgart liest, las ich auch, nämlich zum zweiten Mal Arno Geigers Roman „Unter der Drachenwand“. Obwohl zwischen erstem und zweitem Einblick in das letzte Kriegsjahr des jungen, an der Front verwundeten und den neuerlichen Einsatz mehr und mehr fürchtenden Veit Kolbe nur etwas mehr als ein Jahr lag, war ich erstaunt, wie die Farben gewechselt hatten. Sah ich beim ersten Lesen Brasilien gar in den vom Brasilianer geschilderten Farben oder das zerbombte Darmstadt in Blut und Flammen, sah ich Budapest, wie ich es in den 70ern selbst kennengelernt hatte, nämlich zumindest etwas bunter als das fahle Ostberlin, so war es diesmal wohl der Sog der Sprache, der  mich von allen farbigen Zutaten ablenkte und einen Film in Schwarzweiß auf die innere Leinwand projizierte. Einen harten, kargen, sich jeglichem Anstrich entziehenden Tonfilm, in dem es  Menschen danach verlangte, eines anderen Hand zu erreichen.

    Auf bittere Weise erleichtert, dass Veit Kolbe das schaffte, dankte ich jetzt gern Arno Geiger für diesen Roman, der von kleinen Leuten nicht als Rädchen im Getriebe, sondern als Handelnden erzählt, die eine Herkunft haben und sie verwundet und verwundert hinterfragen müssen.”