Stuttgart liest ein Buch 2019

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    Augen auf in den Stuttgarter U-Bahnen

    Fotos: Susanne Martin und Astrid Braun

    Fünf  Zitate aus dem Roman von Arno Geiger “Unter der Drachenwand” laufen seit dem 1. Juli auf wechselnden Linien in den Stuttgarter Straßenbahnen mit. Zu erkennen an dem Logo rechts oben von “Stuttgart liest ein Buch”.

    Wir sind sehr froh darüber, diese Möglichkeit von der SSB erhalten zu haben und danken Ursula Hosch für die Mitarbeit und den GrafikerInnen, die diese Zitate so effektvoll in Szene gesetzt haben. Einige Zitate aus dem Roman ergänzen die Reihe der SSB “Lyrik unterwegs”, die schon 1987 Einzug in die Stuttgarter Straßenbahnen gehalten hat.

    Folgende Textstellen wurden ausgewählt:

    Seite 70:

    “Ich wurde darüber aufgeklärt, dass ein Brasilianer, der Flugpionier Santos-Dumont, beim Völkerbund verlangt hatte, den Einsatz von etwas so Schönem wie einem Flugzeug zum Abwerfen von Bomben völkerrechtlich zu ächten.“

    Seite 104:

    “Du, Nanni, findest du das Leben eigentlich schön? Das würde ich gerne wissen. Ich finde es seltsam. Zum Beispiel, wie viel Zeit ich vertrödle, vergeude oder verschlafe. Diese Zeit kommt nie wieder. Es ist unmöglich, sie aufzuhalten oder auch, manchmal, sie schneller vergehen zu lassen.“

    Seite 137:

    „Ob ich die Existenz der Volksgemeinschaft in Zweifel ziehen wolle, fragte die Quartiersfrau empört. Ich erwiderte, leider sei mir die Volksgemeinschaft noch nie begegnet, nur immer Menschen, die in ihrem Namen redeten, vorzugsweise im eigenen Interesse.“

    Seite 302:

    „…, und während ich ebenfalls vor mich hindöste, bedauerte ich, dass ich von Kind auf so viel Angst gehabt hatte. Ich spürte, dass es in meiner Macht gestanden wäre, öfter glücklich zu sein, mich öfter an der Schönheit der Welt zu erfreuen. Denn fraglos: die Schönheit der Welt existierte, hatte schon immer existiert und würde weiterhin existieren.“

    Seite 437:

    „Die Kindheit ist wie ein Holz, in das Nägel geschlagen werden. Die guten Nägel sind die, die nur so tief im Holz stecken, dass sie halten, sie beschützen einen wie Stacheln. Oder man kann später etwas daran aufhängen. Oder man kann die Nägel herausziehen und wegwerfen. Schlecht sind die ins Holz gedroschenen Nägel, deren Köpfe tiefer liegen als die Oberfläche des Holzes, man sieht gar nicht, dass dort etwas Hartes ist, ein vor sich hin rostender Fremdkörper.“

    Alle Zitate aus: Arno Geiger, Unter der Drachenwand. Hanser Verlag, München, 2018, 482 Seiten, ISBN 978-3-446-25812-9

    Fotos: Susanne Martin und Astrid Braun

    Fünf  Zitate aus dem Roman von Arno Geiger “Unter der Drachenwand” laufen seit dem 1. Juli auf wechselnden Linien in den Stuttgarter Straßenbahnen mit. Zu erkennen an dem Logo rechts oben von “Stuttgart liest ein Buch”.

    Wir sind sehr froh darüber, diese Möglichkeit von der SSB erhalten zu haben und danken Ursula Hosch für die Mitarbeit und den GrafikerInnen, die diese Zitate so effektvoll in Szene gesetzt haben. Einige Zitate aus dem Roman ergänzen die Reihe der SSB “Lyrik unterwegs”, die schon 1987 Einzug in die Stuttgarter Straßenbahnen gehalten hat.

    Folgende Textstellen wurden ausgewählt:

    Seite 70:

    “Ich wurde darüber aufgeklärt, dass ein Brasilianer, der Flugpionier Santos-Dumont, beim Völkerbund verlangt hatte, den Einsatz von etwas so Schönem wie einem Flugzeug zum Abwerfen von Bomben völkerrechtlich zu ächten.“

    Seite 104:

    “Du, Nanni, findest du das Leben eigentlich schön? Das würde ich gerne wissen. Ich finde es seltsam. Zum Beispiel, wie viel Zeit ich vertrödle, vergeude oder verschlafe. Diese Zeit kommt nie wieder. Es ist unmöglich, sie aufzuhalten oder auch, manchmal, sie schneller vergehen zu lassen.“

    Seite 137:

    „Ob ich die Existenz der Volksgemeinschaft in Zweifel ziehen wolle, fragte die Quartiersfrau empört. Ich erwiderte, leider sei mir die Volksgemeinschaft noch nie begegnet, nur immer Menschen, die in ihrem Namen redeten, vorzugsweise im eigenen Interesse.“

    Seite 302:

    „…, und während ich ebenfalls vor mich hindöste, bedauerte ich, dass ich von Kind auf so viel Angst gehabt hatte. Ich spürte, dass es in meiner Macht gestanden wäre, öfter glücklich zu sein, mich öfter an der Schönheit der Welt zu erfreuen. Denn fraglos: die Schönheit der Welt existierte, hatte schon immer existiert und würde weiterhin existieren.“

    Seite 437:

    „Die Kindheit ist wie ein Holz, in das Nägel geschlagen werden. Die guten Nägel sind die, die nur so tief im Holz stecken, dass sie halten, sie beschützen einen wie Stacheln. Oder man kann später etwas daran aufhängen. Oder man kann die Nägel herausziehen und wegwerfen. Schlecht sind die ins Holz gedroschenen Nägel, deren Köpfe tiefer liegen als die Oberfläche des Holzes, man sieht gar nicht, dass dort etwas Hartes ist, ein vor sich hin rostender Fremdkörper.“

    Alle Zitate aus: Arno Geiger, Unter der Drachenwand. Hanser Verlag, München, 2018, 482 Seiten, ISBN 978-3-446-25812-9