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(Hör) – Buchtipp von Astrid Braun: “Tyll” von Daniel Kehlmann

Bestätigung des Eintrags 6

Wie kommt man/frau ausgerechnet in einer der heißesten Wochen des Jahres darauf, den Roman “Tyll” von Daniel Kehlmann zu hören? Gute Frage, eine Antwort geben zu wollen ist in etwa so sinnlos wie die Suche des “Wissenschaftlers” Athanasius Kircher im 17. Jahrhundert im Auftrag des Papstes nach einem Drachen.

Was der Grund gewesen ist, ist nur zu vermuten: die Geburt eines Kindes in der näheren Verwandtschaft, das fortan auf den Namen Tilman hören wird? Die Hörprobe des Romans, gelesen von Ulrich Noethen, oder aber ein Guthaben bei Audible?

Als der Roman vor zwei Jahren erschien (2017), war klar, einen großen Bogen darum zu machen. Ein vorausgesagter Bestseller, der in allen Feuilletons so exakt hintereinander besprochen wurde wie Dominosteine kippen. Klarer Fall von Vermeidung.

Nach zwei Jahren und 273 Besprechungen des Titels bei Amazon sieht die Lage anders aus: es ist nahezu alles gesagt zum Buch, die historischen Mängel wurden beklagt (Gruß an alle Studienräte, das war nicht das Thema !), der fehlende Witz wurde gerügt (ganz falsch), die Enttäuschung dem Dichter vor die Füsse geworfen oder es wurden enthusiastisch fünf Sterne vergeben.

Jetzt kann man es sich einfach entspannt anhören, wobei die Betonung auf hören liegt. Ulrich Noethen liest um sein Leben, makellos, mit famosen Dialekteinschüben, in einer atemraubenden Geschwindigkeit. Ja, Noethen muss Seit’ an Seit’ mit Kehlmann durch dieses Jahrhundert geritten sein, in unerhört falschem zeitlichen Ablauf, es überlebt haben (!), dieses schreckliche 17. Jahrhundert, das den Dreißigjährigen Krieg hervorgebracht, bestimmt viele Gaukler gekannt hat, aber natürlich nicht einen historisch verbrieften Till Eulenspiegel.

Es macht große Freude, sich in der völlig verdunkelten Wohnung historische Daten und Namen doch mal wieder vor Augen zu führen, besser noch, von der Winterkönigin und dem sanften Fall leichter Schneeflocken zu träumen und mit ihr und ihrem recht faden Gatten, dem Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, fatalerweise um die Königskrone der Böhmen zu buhlen. Newsletter Juli-August 2019 AB

Lust bekommen, das Buch auch zu lesen oder zu hören? Es ist in verschiedenen Ausgaben lieferbar und in gut sortierten Buchhandlungen erhältlich oder kann dort bestellt werden. Die dazu notwendigen bibliographischen Angaben finden Sie hier 

Wenn Sie möchten, können Sie vorher in den Romananfang reinhören oder reinlesen

Bestätigung des Eintrags 6

Wie kommt man/frau ausgerechnet in einer der heißesten Wochen des Jahres darauf, den Roman “Tyll” von Daniel Kehlmann zu hören? Gute Frage, eine Antwort geben zu wollen ist in etwa so sinnlos wie die Suche des “Wissenschaftlers” Athanasius Kircher im 17. Jahrhundert im Auftrag des Papstes nach einem Drachen.

Was der Grund gewesen ist, ist nur zu vermuten: die Geburt eines Kindes in der näheren Verwandtschaft, das fortan auf den Namen Tilman hören wird? Die Hörprobe des Romans, gelesen von Ulrich Noethen, oder aber ein Guthaben bei Audible?

Als der Roman vor zwei Jahren erschien (2017), war klar, einen großen Bogen darum zu machen. Ein vorausgesagter Bestseller, der in allen Feuilletons so exakt hintereinander besprochen wurde wie Dominosteine kippen. Klarer Fall von Vermeidung.

Nach zwei Jahren und 273 Besprechungen des Titels bei Amazon sieht die Lage anders aus: es ist nahezu alles gesagt zum Buch, die historischen Mängel wurden beklagt (Gruß an alle Studienräte, das war nicht das Thema !), der fehlende Witz wurde gerügt (ganz falsch), die Enttäuschung dem Dichter vor die Füsse geworfen oder es wurden enthusiastisch fünf Sterne vergeben.

Jetzt kann man es sich einfach entspannt anhören, wobei die Betonung auf hören liegt. Ulrich Noethen liest um sein Leben, makellos, mit famosen Dialekteinschüben, in einer atemraubenden Geschwindigkeit. Ja, Noethen muss Seit’ an Seit’ mit Kehlmann durch dieses Jahrhundert geritten sein, in unerhört falschem zeitlichen Ablauf, es überlebt haben (!), dieses schreckliche 17. Jahrhundert, das den Dreißigjährigen Krieg hervorgebracht, bestimmt viele Gaukler gekannt hat, aber natürlich nicht einen historisch verbrieften Till Eulenspiegel.

Es macht große Freude, sich in der völlig verdunkelten Wohnung historische Daten und Namen doch mal wieder vor Augen zu führen, besser noch, von der Winterkönigin und dem sanften Fall leichter Schneeflocken zu träumen und mit ihr und ihrem recht faden Gatten, dem Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, fatalerweise um die Königskrone der Böhmen zu buhlen. Newsletter Juli-August 2019 AB

Lust bekommen, das Buch auch zu lesen oder zu hören? Es ist in verschiedenen Ausgaben lieferbar und in gut sortierten Buchhandlungen erhältlich oder kann dort bestellt werden. Die dazu notwendigen bibliographischen Angaben finden Sie hier 

Wenn Sie möchten, können Sie vorher in den Romananfang reinhören oder reinlesen