Stuttgart liest ein Buch 2019

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    Christiane Lutz: Wege aus Angst und Trauma

    Christiane Lutz  Foto: Wolfgang Tischer

    Bereits zum vierten Mal sprach Christiane Lutz, Kinder- und Jugendtherapeutin nach C.G. Jung im Auftrag des C.G.-Jung-Instituts über den Roman, den Stuttgart liest.
    Bei Margriet de Moor hatte sich Frau Lutz 2012 in dem Roman “Sturmflut” den Aspekt der Geschwisterproblematik herausgegriffen, bei dem Roman “Der Hals der Giraffe” 2015 den einer “Frau ohne Gefühle, die sich auf ihr naturwissenschaftliches Denken verlässt”, bei “Nachts ist es leise in Teheran” im Jahr 2017 den Aspekt der Heimatlosigkeit und Migration, nun 2019 bei “Unter der Drachenwand” beleuchtete die Therapeutin die Situation der Romanfiguren unter den Aspekten Angst und Trauma.

    Zunächst geht die Referentin auf die Drachenwand ein. Der “Drache” ist nach CG Jung das Symbol des negativen Aspekts des Weiblich-Mütterlichen. Es gibt unendlich spendende Mütter (positiv) oder die fressenden, verschlingenden Mütter (negativ), verstanden als zwei Archetypen.

    Das dominierende Gefühl in dem Roman sei die Angst, die sich in drei Bereiche gliedern lässt: a die Urangst, sprich existentielle Bedrohung an Leib und Leben, b die Trennungs-und Verlustängste, man verliert etwa die Heimat, Menschen, aber auch seine Illusionen und die Zuversicht und die Sicherheit und c die Identitätsangst, sprich man kann nicht so sein wie man/frau ist, sondern muss sich einer Identität z.B. der Soldatenidentität unterordnen.

    Ausgehend von diesen Ängsten erläuterte Lutz die Angst-Ausgangslage jedes der wichtigen Charaktere des gesamten Romans  sowie die unterschiedlichen Strategien der Personen, ihre jeweiligen Ängste zu bewältigen. So sind Verdrängung, Ausblenden der Realität, Medikamente, Flucht in eine erdachte, erträumte heile Welt oder die Identifikation mit dem Aggressor gängige Mechanismen, um mit einer angstgeprägten Situation fertig zu werden.
    In diesem Zusammenhang erklärte die Referentin auch die Begriffe Trauma und Re-Traumatisierung. Trauma = rational nicht zu bewältigendes Erlebnis.

    Als Beispiel sei hier der Hinweis auf die Lebensgeschichte der Nanni, der kleinen Annemarie Schaller, genannt, die ein klar denkendes und fühlendes Mädchen ist, das keine andere Lösung sieht, als sich zu entziehen und am Berg ums Leben kommt: Flucht vor der schrecklichen Mutter (siehe Drachen, verschlingende Mutter), Wissen um den verlorenen Krieg und Trennung vom dem Freund Kurt führen zu dem Unfall, kann auch als Suizid gedacht werden.

    In dieser Form besprach Christiane Lutz die Wege von Veit Kolbe, Margot und der Quartiersfrau.                                     Astrid Braun

    Christiane Lutz  Foto: Wolfgang Tischer

    Bereits zum vierten Mal sprach Christiane Lutz, Kinder- und Jugendtherapeutin nach C.G. Jung im Auftrag des C.G.-Jung-Instituts über den Roman, den Stuttgart liest.
    Bei Margriet de Moor hatte sich Frau Lutz 2012 in dem Roman “Sturmflut” den Aspekt der Geschwisterproblematik herausgegriffen, bei dem Roman “Der Hals der Giraffe” 2015 den einer “Frau ohne Gefühle, die sich auf ihr naturwissenschaftliches Denken verlässt”, bei “Nachts ist es leise in Teheran” im Jahr 2017 den Aspekt der Heimatlosigkeit und Migration, nun 2019 bei “Unter der Drachenwand” beleuchtete die Therapeutin die Situation der Romanfiguren unter den Aspekten Angst und Trauma.

    Zunächst geht die Referentin auf die Drachenwand ein. Der “Drache” ist nach CG Jung das Symbol des negativen Aspekts des Weiblich-Mütterlichen. Es gibt unendlich spendende Mütter (positiv) oder die fressenden, verschlingenden Mütter (negativ), verstanden als zwei Archetypen.

    Das dominierende Gefühl in dem Roman sei die Angst, die sich in drei Bereiche gliedern lässt: a die Urangst, sprich existentielle Bedrohung an Leib und Leben, b die Trennungs-und Verlustängste, man verliert etwa die Heimat, Menschen, aber auch seine Illusionen und die Zuversicht und die Sicherheit und c die Identitätsangst, sprich man kann nicht so sein wie man/frau ist, sondern muss sich einer Identität z.B. der Soldatenidentität unterordnen.

    Ausgehend von diesen Ängsten erläuterte Lutz die Angst-Ausgangslage jedes der wichtigen Charaktere des gesamten Romans  sowie die unterschiedlichen Strategien der Personen, ihre jeweiligen Ängste zu bewältigen. So sind Verdrängung, Ausblenden der Realität, Medikamente, Flucht in eine erdachte, erträumte heile Welt oder die Identifikation mit dem Aggressor gängige Mechanismen, um mit einer angstgeprägten Situation fertig zu werden.
    In diesem Zusammenhang erklärte die Referentin auch die Begriffe Trauma und Re-Traumatisierung. Trauma = rational nicht zu bewältigendes Erlebnis.

    Als Beispiel sei hier der Hinweis auf die Lebensgeschichte der Nanni, der kleinen Annemarie Schaller, genannt, die ein klar denkendes und fühlendes Mädchen ist, das keine andere Lösung sieht, als sich zu entziehen und am Berg ums Leben kommt: Flucht vor der schrecklichen Mutter (siehe Drachen, verschlingende Mutter), Wissen um den verlorenen Krieg und Trennung vom dem Freund Kurt führen zu dem Unfall, kann auch als Suizid gedacht werden.

    In dieser Form besprach Christiane Lutz die Wege von Veit Kolbe, Margot und der Quartiersfrau.                                     Astrid Braun