Stuttgart liest ein Buch 2019

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    Workshop im Stadtarchiv :”Mit äußerster Sorgfalt recherchiert und dann erfunden”

    Ein Aspekt in Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand” ist die Kinderlandverschickung. Schließlich war das auf dem Flohmarkt gefundene Konvolut der Briefe aus dem Lager mit dem merkwürdigen Namen Schwarzindien die Initialzündung, die den Autor überhaupt auf das Projekt brachte. Deshalb war es nur folgerichtig, dass das Stadtarchiv Stuttgart Schülerinnnen und Schüler einlud, sich am Beispiel von Akten zur Kinderlandverschickung im Jahr 1944 mit dem Thema zu beschäftigen. Im Vorfeld des Workshops traf sich die Gruppe zweimal, um die im Archiv nach Lagerorten sortierten Originalbriefe zu sichten und dann eine eigene Geschichte zu entwickeln. Wer wollte, konnte seinen Text dann an diesem Vormittag vorlesen.

    Außerdem hatten die Schülerinnen und Schüler Fragen an Arno Geiger vorbereitet, in denen es um sein Schreiben und seine Recherchen ging. In der kleinen Runde entwickelte das Gespräch eine hohe Qualität: Ist es bei ihm auch so, daß sich die Charaktere selbständig machen, wie es viele Autorinnen und Autoren beschreiben? Ist er mit allen seinen Figuren gleichermaßen vertraut? Wie sahen die 10 Jahre Vorbereitung eigentlich genau aus? Was bedeuten die Spiegelstriche im Text? Ist eine Übersetzung eines seiner Bücher für ihn ein neues Kunstwerk oder bleibt es immer noch seines?

    Für all diese Fragen nahm sich Arno Geiger Zeit und antwortete ausführlich. Seine Zuhörerinnen bekamen so einen tiefen Einblick in sein Schreiben, sein Leben als Autor und darüber, was für ihn die Essenz ist, ein guter Autor zu werden, dessen Werk Bestand hat: Talent, Fleiß, Disziplin, Empathie und Durchhaltevermögen. Sein besonderes Talent, sich in Situationen hinein zu begeben – Denis Scheck nannte ihn einmal ein “Empathiemonster” – ist für ihn beim Schreiben ein Segen, kann jedoch im Alltag ein Fluch sein.

    Als er die Drachenwand schrieb, merkte er, daß ein Thema wie der Krieg mit all seinen Facetten bei der Recherche große Sorgfalt erfordere. So erlernte er zuerst die Sütterlinschrift, um die tausende von Briefseiten überhaupt lesen zu können. Im Gegensatz zum Historiker, der sich streng an Fakten halten muss und für denn irgendwann eine Geschichte endet, kann er als Autor den emotionalen Raum betreten und in die Fiktion gehen: “Ich habe mit äußerster Sorgfalt recherchiert und dann erfunden” sagte er. Und weil dieser Roman  ein singuläres Buch innerhalb seine Werkes ist, wollte er dies auch im Text sichtbar machen: Er  erfand die Spiegestriche. Sie seien eine Art zusätzliches Satzzeichen: mehr als ein Punkt, aber weniger als ein Absatz.

    Zum Abschluß erklärte sich dann eine Schülerin bereit, ihren Text vorzulesen und alle Zuhörenden waren beeindruckt. Woran die erstaunlich hohe Qualität dieses Textes festgemacht werden könne, erläuterte Arno Geiger dann den Zuhörenden und bescheinigte der Schülerin durchaus Talent.

    Ein würdiger Abschluss von Arno Geigers Zeit in Stuttgart! SM

    Ein Aspekt in Arno Geigers Roman “Unter der Drachenwand” ist die Kinderlandverschickung. Schließlich war das auf dem Flohmarkt gefundene Konvolut der Briefe aus dem Lager mit dem merkwürdigen Namen Schwarzindien die Initialzündung, die den Autor überhaupt auf das Projekt brachte. Deshalb war es nur folgerichtig, dass das Stadtarchiv Stuttgart Schülerinnnen und Schüler einlud, sich am Beispiel von Akten zur Kinderlandverschickung im Jahr 1944 mit dem Thema zu beschäftigen. Im Vorfeld des Workshops traf sich die Gruppe zweimal, um die im Archiv nach Lagerorten sortierten Originalbriefe zu sichten und dann eine eigene Geschichte zu entwickeln. Wer wollte, konnte seinen Text dann an diesem Vormittag vorlesen.

    Außerdem hatten die Schülerinnen und Schüler Fragen an Arno Geiger vorbereitet, in denen es um sein Schreiben und seine Recherchen ging. In der kleinen Runde entwickelte das Gespräch eine hohe Qualität: Ist es bei ihm auch so, daß sich die Charaktere selbständig machen, wie es viele Autorinnen und Autoren beschreiben? Ist er mit allen seinen Figuren gleichermaßen vertraut? Wie sahen die 10 Jahre Vorbereitung eigentlich genau aus? Was bedeuten die Spiegelstriche im Text? Ist eine Übersetzung eines seiner Bücher für ihn ein neues Kunstwerk oder bleibt es immer noch seines?

    Für all diese Fragen nahm sich Arno Geiger Zeit und antwortete ausführlich. Seine Zuhörerinnen bekamen so einen tiefen Einblick in sein Schreiben, sein Leben als Autor und darüber, was für ihn die Essenz ist, ein guter Autor zu werden, dessen Werk Bestand hat: Talent, Fleiß, Disziplin, Empathie und Durchhaltevermögen. Sein besonderes Talent, sich in Situationen hinein zu begeben – Denis Scheck nannte ihn einmal ein “Empathiemonster” – ist für ihn beim Schreiben ein Segen, kann jedoch im Alltag ein Fluch sein.

    Als er die Drachenwand schrieb, merkte er, daß ein Thema wie der Krieg mit all seinen Facetten bei der Recherche große Sorgfalt erfordere. So erlernte er zuerst die Sütterlinschrift, um die tausende von Briefseiten überhaupt lesen zu können. Im Gegensatz zum Historiker, der sich streng an Fakten halten muss und für denn irgendwann eine Geschichte endet, kann er als Autor den emotionalen Raum betreten und in die Fiktion gehen: “Ich habe mit äußerster Sorgfalt recherchiert und dann erfunden” sagte er. Und weil dieser Roman  ein singuläres Buch innerhalb seine Werkes ist, wollte er dies auch im Text sichtbar machen: Er  erfand die Spiegestriche. Sie seien eine Art zusätzliches Satzzeichen: mehr als ein Punkt, aber weniger als ein Absatz.

    Zum Abschluß erklärte sich dann eine Schülerin bereit, ihren Text vorzulesen und alle Zuhörenden waren beeindruckt. Woran die erstaunlich hohe Qualität dieses Textes festgemacht werden könne, erläuterte Arno Geiger dann den Zuhörenden und bescheinigte der Schülerin durchaus Talent.

    Ein würdiger Abschluss von Arno Geigers Zeit in Stuttgart! SM