Stuttgart liest ein Buch 2019

eyJwb3J0cmFpdCI6Ik1laHIiLCJsYW5kc2NhcGUiOiJNZWhyIn0=

    Hotel Silber: Nachdenken über die Erinnerungskulturen in Deutschland und Österreich

    Ein Schriftsteller öffnet den Raum fürs Emotionale, Wissenschaftler schauen auf die Fakten. So versprach die Begegnung von Arno Geiger mit der Historikerin Katrin Hammerstein, dem Generalsekretär des Comité International de Mauthausen und langjährigen Organisationsleiter der Internationalen Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Andreas Baumgartner sowie Barbara Staudinger, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums in Augsburg und Moderatorin der Veranstaltung, aufschlussreich zu werden.

    Arno Geiger fand schon immer, daß die Mitläufer zu gut weg kommen, denn “der unbeteiligte Zuschauer gibt dem Ereignis Fülle und Ansehen.” Damit war er sich mit den anderen auf dem Podium einig. So ist sein Veit Kolbe ein “Grauer” – Täter und Opfer gleichermassen. Durch seine Erzählweise gelingt es ihm, dass die Leserinnen und Leser sich mit den Figuren identifizieren und mit ihren Schicksalen mitfühlen. Empathie sei zwar wichtig, meinte Andreas Baumgartner, aber sie ist in der Vermittlungsarbeit kaum möglich. Baumgartner hat die Erfahrung gemacht, daß es wichtig ist, das Leiden zu erkennen und aus dieser Erkenntnis heraus dann Lehren zu ziehen. Wie wichtig Geschichten dabei sind, darüber waren sich alle einig.

    Einig waren sie sich auch, daß das Erinnern und das Schaffen einer Erinnerungskultur stets die Gefahr birgt, von der Politik instrumentalisiert zu werden. Deshalb lässt Andreas Baumgartner in Mauthausen ausschließlich Opfer sprechen und nie Politiker, bei denen er oft genug miterlebt hat, dass sie sich kurz vor Betreten der Gedenkstätte schnell die Betroffenheitsmaske aufsetzen.

    Lebhaft und engagiert waren im Anschluss an die Podiumsdikussion Statements aus dem Publikum, die bestätigten, wie sehr das Buch von Arno Geiger Ton und Atmosphäre getroffen haben und wie wichtig es ist, daß wir nicht wieder beginnen, nur zuzuschauen. “Wir können uns der Dummheit unserer Epoche nicht entziehen” zitierte Geiger am Ende Johann Wolfgang von Goethe. Aber vielleicht können wir es versuchen – diesen Vorsatz konnte man aus diesem Abend mit nach Hause nehmen!       Susanne Martin

    Einen weiteren Bericht zu dem Abend im Hotel Silber finden Sie auf dem Blog des Kollegen Michael Seehoff

    Ein Schriftsteller öffnet den Raum fürs Emotionale, Wissenschaftler schauen auf die Fakten. So versprach die Begegnung von Arno Geiger mit der Historikerin Katrin Hammerstein, dem Generalsekretär des Comité International de Mauthausen und langjährigen Organisationsleiter der Internationalen Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Andreas Baumgartner sowie Barbara Staudinger, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums in Augsburg und Moderatorin der Veranstaltung, aufschlussreich zu werden.

    Arno Geiger fand schon immer, daß die Mitläufer zu gut weg kommen, denn “der unbeteiligte Zuschauer gibt dem Ereignis Fülle und Ansehen.” Damit war er sich mit den anderen auf dem Podium einig. So ist sein Veit Kolbe ein “Grauer” – Täter und Opfer gleichermassen. Durch seine Erzählweise gelingt es ihm, dass die Leserinnen und Leser sich mit den Figuren identifizieren und mit ihren Schicksalen mitfühlen. Empathie sei zwar wichtig, meinte Andreas Baumgartner, aber sie ist in der Vermittlungsarbeit kaum möglich. Baumgartner hat die Erfahrung gemacht, daß es wichtig ist, das Leiden zu erkennen und aus dieser Erkenntnis heraus dann Lehren zu ziehen. Wie wichtig Geschichten dabei sind, darüber waren sich alle einig.

    Einig waren sie sich auch, daß das Erinnern und das Schaffen einer Erinnerungskultur stets die Gefahr birgt, von der Politik instrumentalisiert zu werden. Deshalb lässt Andreas Baumgartner in Mauthausen ausschließlich Opfer sprechen und nie Politiker, bei denen er oft genug miterlebt hat, dass sie sich kurz vor Betreten der Gedenkstätte schnell die Betroffenheitsmaske aufsetzen.

    Lebhaft und engagiert waren im Anschluss an die Podiumsdikussion Statements aus dem Publikum, die bestätigten, wie sehr das Buch von Arno Geiger Ton und Atmosphäre getroffen haben und wie wichtig es ist, daß wir nicht wieder beginnen, nur zuzuschauen. “Wir können uns der Dummheit unserer Epoche nicht entziehen” zitierte Geiger am Ende Johann Wolfgang von Goethe. Aber vielleicht können wir es versuchen – diesen Vorsatz konnte man aus diesem Abend mit nach Hause nehmen!       Susanne Martin

    Einen weiteren Bericht zu dem Abend im Hotel Silber finden Sie auf dem Blog des Kollegen Michael Seehoff