Schreibchallenge: Das Unsagbare
Du bist jung und du schreibst? Dann zeig dein Können bei unserer aktuellen Schreibchallenge! Dieses Mal ist das Thema:
THEMA:
Manche Dinge kann man kaum in Worte fassen. Ob große Gefühle oder lebensverändernde Erfahrungen, das Unsagbare ist kein leerer Raum, sondern oft das Lauteste, was es gibt. Aber nur weil man etwas nicht direkt sagen kann, heißt das nicht, dass es ungesagt bleiben muss. Oder überhaupt ungesagt bleiben kann. Manchmal findet es einen anderen Weg: durch ein Bild, eine Geste, eine Pause. Durch das, was zwischen den Wörtern liegt.
ZIEL:
Der Text kann eine Geschichte, ein Gedicht oder eine persönliche Reflexion sein. Alles ist möglich.
MÖGLICHE ANSÄTZE:
– Was bleibt unausgesprochen und warum?
– Ein Moment, in dem Worte nicht gereicht haben.
– Das Unsagbare als Schutz oder als Last.
– Wie drückt man aus, wofür es keine Sprache gibt?
– Gibt es ein Gespräch in dem das Schweigen unterschiedliche Formen annimmt?
– Eine Erfahrung, die sich erst viel später in Worte fassen ließ.
– Das Unsagbare als Grenze, Übergang oder Befreiung.
FORMAT:
Das Format ist ganz euch überlassen. Der Text kann zum Beispiel in Form einer Kurzgeschichte, eines Gedichts oder einer persönlichen Reflexion geschrieben werden.
ABGABE:
Bitte sendet euren Text bis zum 30.04.2025 per E-Mail an:
jsh-schreibaufgaben@stuttgarter-schriftstellerhaus.de
Alternativ könnt ihr euren Text auch direkt auf unserer Webseite hochladen.
Wichtig!
Vergesst nicht, die Datenschutzerklärung im Anhang zu unterschreiben und miteinzureichen.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Schreiben und freuen uns schon darauf, eure Texte zu lesen.
Datenschutz- und Einwilligungserklärung für Texteinsendungen
Gewinnertext der Januar/Februar -Schreibchallenge mit dem Thema „Wiederstände“:
Wiederstände von Helena Bierbaum
Wiederstand
Wiederstehen
Widerworten
Wieder stehen
Wieder aufstehen
Aufrecht stehen
Wiedersehen
Widerstrebend
Standpunkt einnehmen
Unwiderruflich
Abstand nehmen
Standhalten
Standfest
Stillstehen
Standpunkt
Missverstehen
Verständnis annehmen
Gewinnertext der November/Dezember -Schreibchallenge mit dem Thema „Das Erhabene“:
Ich sehe rot von Alisa Sacharow
Ich sehe Rot. Ich denke, ich sehe Rot. Es muss Rot sein. Ich fühle den Wind
meinen Rücken streifen, wie jedes Mal in den Tagen des kurz vorbeischauenden
Sommers. Dieser fühlt sich an wie ein ganzes Leben, doch ich weiß, schon
morgen ist das endgültig vorbei. Trotz des lauwarmen Sommertages hinterlässt
der Wind einen eisigen Schauer.
Es müsste jetzt hell sein und die Sonne in ihrem Rot am Himmel erstrahlen. Ich
selbst müsste in diesem Augenblick auf dem Berg sein. Mit meinen Füßen, wohl
in meinen hellblauen Sandalen, taste ich die Erdoberfläche ab… Steine. Ich
horche wie sie hinunterrollen und fühle das Herz in meiner Brust schneller
schlagen. Das ist gut… denn das bedeutet, dass ich lebe und der Sommer ist
noch nicht vorbei. Ich will nicht von der Stelle weichen, so sehr mich diese
kleinen Kieselsteine auch ängstigen. Der Ort ist vermutlich schön für einen
Ausflug, doch ich fühle mich unwohl und will gehen.
„Kannst du mir helfen?“, frage ich ihn, obwohl ich es allmählich hasse, um Hilfe
zu bitten. Ich will runter, will nach Hause. Der Sonnenuntergang stimmt mich
noch trauriger und erinnert an das Unausweichliche…
Er ergreift meine Hand, wodurch ein Hauch von Wärme meinen Körper
durchströmt und sich in meine Zellen frisst, wie ein stiller Strom aus Licht, der
durch dunkle eisige Tiefen fließt. Ich beiße mir in die innere Wange.
„Möchtest du nicht hier oben bleiben? Ich weiß, du möchtest dem Himmel
nahe sein. Hier ist ein schöner Ort dafür.“, sagt er und ich spüre seinen Arm um
meine Taille gleiten. Er streichelt meine Haut, doch es fühlt sich nicht an wie
damals, als uns noch alle Zeit der Welt bevorstand. Damals, als wir noch von
nichts wussten und uns lediglich treiben ließen. Jetzt aber bin ich im Hier und
Jetzt und habe keine Erwartungen.
Wir beide begegneten uns erstmals Anfang des Sommers. Drei Monate sind
seither vergangen, doch es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen.
Er versucht zu helfen, doch seine Hilfe ist wie ein Pflaster auf einer Wunde, die
zu tief ist, um zu heilen.
„Der Himmel ist rot, wie du ihn magst.“, erinnert er mich und ich nicke stumm.
Ich kicke die Steine den vermutlich steilen Berg hinunter, doch höre sie nicht
aufprallen. „Es ist hoch.“, stelle ich nüchtern fest, doch diesmal bleibt er still.
Drei Monate und doch erfasst mich noch immer die Erinnerung an ihn bei
unserer ersten Begegnung.
Die Sonne müsste nun untergehen, ich wende mich in Richtung Westen. Ich
frage mich nach dem Warum? Warum führt er mich an diesen Ort erst jetzt und
nicht schon damals, als er mich erfreut hätte? Doch diese Frage behalte ich für
mich, den Grund für unser Dasein an diesem Ort hatte er bereits genannt.
„Ich denke, es wird dunkel. Wollen wir wieder runter?“ Ich weiß nicht, ob es
dunkel wird. Vielleicht ist das Rot längst verglüht, aber ich möchte mich an der
Farbe festhalten wie an einem Seil, das bei einem Sturm meine einzige Rettung
wäre.
„Du willst dort noch nicht hin, ich weiß, du willst nicht. Aber hier fühle ich mich
dir am nächsten, ich weiß ich werde morgen herkommen können, doch du wirst
schon dort sein. Ich werde dich spüren, werde an dich denken, denn ich weiß
du kommst dort hin. Du verdienst es nicht anders.“
Seine weichen Lippen berühren die linke Seite meiner Stirn und ich schließe die
Augen.
Nichts ist ausgedehnter als der Himmel, wie wir Menschen ihn uns ausmalen.
Und ich glaube daran, dass wir Menschen dorthin kommen, denn ich glaube an
das Gute.
Farben sind unendlich. Ihre Töne können ineinander gleiten. Farben sind etwas
Besonderes. Sie schmücken unser Leben.
Ich sehe Schwarz. Ich versuche Rot zu sehen, doch ich sehe Schwarz…
Gewinnertext der Oktober-Schreibchallenge mit dem Thema „Herz vs. Kopf“:
Herz vs. Kopf von Lydia Haderlang
Leise trabend nachts um 1
Getrieben in des Herbstes Dunst
Schreit das laue Herz vorbei
An mir, bezwingt den Geistesstrahl.
Nicht mehr Einsicht, unverwandt
Entfremden sich die zwei erneut.
Was einst Gefühl und Geist verband,
Ein Ich, ein bindend Medium,
Identität bricht auf und bannt
Sich selbst in die Zersplitterung.
Was neues, da, erweckt in sich,
Gefühl noch vor Erinnerung
Man muss! Man wird! Ein neuer Mensch!
Entgegen Geistes Willen.
Das Herz herrscht nun,
Verstandes Höhen,
Frei von jeder Sorge,
Im Gefühl gibt’s Gestern nur
Und Friede steht im Morgen.
Gewinnertext der Juni-Schreibchallenge mit dem Thema „Schimmer“:
Schimmer von Helena Bierbaum
Es hält sich am Leben
soviel: Es lebt
fast greifbar, nichts das bleibt.
zwischen zwei Sekunden. in dunklen Augen, Staub auf der Fensterritze. glänzende Haut.
Täuschung. Vielleicht Vorahnung, Bewegung im Stillstand.
etwas das haften bleibt.
nur soviel: es bleibt.
Gewinnertext der Mai-Schreibchallenge mit dem Thema „Kälte“:
Wände von Jonathan Meis
Um sieben Uhr am Eingang der U5,
Es sind nur zwei Stationen.
Er war pünktlich, wie immer, lehnte an
Die Nacht schlich um den Dunst der Zigarette
Und die Glut flackerte in mein Gesicht
Ich stand ihm gegenüber, den dicksten
Den rotesten, blausten und braunsten
Knutschfleck auf dem Hals.
Ich sagte: „Ich gehe.“
Er sagte: „Ich weiß.“
Ein letztes Mal blies er mir Rauch entgegen
Es stank, wie immer, doch störte mich nicht.
Die stiebenden Flocken formten die Wand, die sich weiß über uns legte
Zwischen uns legte
Und mit dem Rauch und mit den Flocken verschwand auch ich.

