oder aber uber geister

tauben in u-bahn

im Schriftstellerhaus Stuttgart gelegen / lässt die Autorin

mit allem Eifer jung und alte / arm und reiche / des Verdachts

erfahren / wie ein Knarren durch den Geruch frischer Brötchen 

durch das geöffnete Fenster ging / und schien, als käme 

aus den Wänden es / und schien, als ob jemand an der Türe 

lausche / wie vorne die U-Bahn ihre Klage sang / an Orte 

führte, nach denen sie sich zehrte / heimlich / und vorsichtig 

um die Lücke im Gebiss / welch routinierte Teufelstat / 

um zu spucken das Rosa ins gurgelnde Hernieder / und

zwar ins Kellerloch / sich nicht zu trauen / sich nicht zu 

verbergen / sondern wie die Autorin es bezeugt / zweierlei 

Tüten vor der Türe entnahm / wie sie das Logo erblickte / 

M / den Boten suchte / ein Gespenst erblickte / oder ersann

ein Knarren im Gebälk / Schuld zu finden / die sich 

nicht schreiben / oder der Jugend für die Ohren bringen

lässt / wie ein Kappaun dergleichen / scharfe Krallen

frittiert / sein Schermesser uber Flügel wetzte / und

eine Autorin heimsuchte / Hallo? / Wer da? / wo? /

will sie bekennen, dass sie infolgedessen vielen / jung und 

alten / arm und reichen / Wörter zugetan habe / unterm

Schriftstellerdach hat das Hexenbrennen nun auch begonnen

Lara Rüter
Lara Rüterhttps://lararueter.de/
Lara Rüter war Preisträgerin für Lyrik beim 26. Open Mike. 2020 erhielt sie den Caroline-Schlegel-Förderpreis für Essayistik, 2021 den Wolfgang-Weihrauch Förderpreis beim Literarischen März und 2025 den Kranichsteiner Literaturförderpreis. Im selben Jahr war sie Stadtschreiberin von Halle. Ihr Gedichtband „amoretten in netzen“ wurde 2024 bei Wunderhorn veröffentlicht, der Essay „Affenliebe“ erscheint im Frühjahr 2026 bei Hanser.