Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Schöpferisch und friedlich war mein Leben im Schriftstellerhaus. Mit Schwermut verlasse ich den Ort.

— Fuad Rifka, Lyriker, Hölderlin-Spezialist aus Beirut, 2002

Bisch guad akomma?

Aba klaa, jut anjekomm … Es ist zwar kein Aprilscherz, dass mein Koffergriff entzwei ging am Berliner Hauptbahnhof, als ich das schwere Ding in den Zug hieven wollte, aber alles lief gut.  Stuttgart hat sich mit Ranunkeln auf meine Ankunft vorbereitet. Ranunkeln sind meine Lieblingsblumen. An den Verkaufsständen hier stehen sie in allen Farben und Größen. Wunderbar. Vorm Breuninger-Kaufhaus dann mal gleich noch zwei Beete, in denen Ranunkeln die anderen Pflanzen eindeutig dominieren. Noch wunderbarer. Wenn ich an die Wiedergeburt glaubte, würde ich mir eine als Asiatischer Hahnenfuß wünschen. So heißt die Ranunkel nämlich auch. Sie hat ein kurzes Leben, während dessen sie aber sehr gut aussieht.

Warum habe ich mir eigentlich nicht sofort einen Strauß gekauft? Nun ja, in meiner Größe kostet er 12,50 Euro, und ich will ja sparen … Also mache ich erst einmal viele Spaziergänge und schlage mindestens drei Fliegen mit einer Klappe: Ich erkunde die Umgebung, bin auf Ranunkelschau und schaffe die zehntausend Schritte, mein tägliches Pensum. Unterbrochen von Pausen, in denen ich Gedichte lese. Zum Beispiel von Volker Braun. Im kommenden Monat wird er 80 Jahre alt, und ich werde zu seinem Geburtstag antreten, im Berliner Literaturforum im Brecht-Haus für ihn zu lesen. Auch ein neues Gedicht, nur für ihn. Das wird hier entstehen, in Stuttgart.

Schöne Aussichten!

 

Kathrin Schmidt

Kathrin Schmidt

Kathrin Schmidt schreibt Lyrik und Prosa. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Literaturpreise, darunter den Deutschen Buchpreis 2009 für den autobiographisch gefärbten Roman »Du stirbst nicht«.
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