„Stuttgart schreibt“ und die Glaubenskrise

Am 29.09. ging es im Programm weiter. Den Auftakt machte die ganztägige Schreibwerkstatt „Alte Lieben“, geleitet von Eva Christina Zeller.

"Poetic Pharmacy" mit Nikita Gorbunov und Harry Kienzle
„Poetic Pharmacy“ in der Ostend-Buchhandlung Stuttgart
Bild: Luisa Carmen

Danach ging es mit der „Poetic Pharmacy“ in der Ostend-Buchhandlung weiter. Nikita Gorbunov und Harry Kienzler boten dort eine besondere Form der Lyrik an: Besuchende konnten sich ein persönliches Gedicht schreiben lassen – Poetic Pharmacy eben.

Am Abend waren Nora Bossong und Simon Strauß Foyer des Schauspielhauses zu Gast, um im Rahmen von „Stuttgart schreibt. Fiese Krise – und die Literatur?“ über ihre jeweiligen Bücher zu sprechen. Beide befassen sich mit gegenwärtigen Glaubens- und Daseinskrisen. Wir würden aktuell eine zunehmende Entfremdung in einer hochvernetzten Welt erfahren.

Was bringt uns noch näher zusammen? Bossong geht davon aus, dass Religion gemeinschaftsstiftend ist. Sie ergründet in ihrem jüngsten Buch „Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben in erschöpften Zeiten“ die Glaubenskrise der Gegenwart. Sie befasst sich damit, was uns der Glaube geben kann. Für sie ist Religion gemeinschaftsstiftend, sakrale Rituale seien zeitlos und besonders in Krisenzeiten von enormer Bedeutung. Ob Glauben Leere oder Lehre ist, kann nun anhand ihrer Überlegungen ergründet werden.

Doppellesung "Gegenmittel gegen das Gift unserer Zeit"
Doppellesung „Gegenmittel gegen das Gift unserer Zeit“
Bild: Charlotte Feichtmair

Auch Simon Strauß beobachtet gegenwärtig eine zwischenmenschliche ‚Erkaltung‘. In seinem Buch „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“ wagt er sich zuversichtlich an die These heran, dass die Kleinstadt ein Hort der Gemeinschaft sein könnte. Er geht der Frage nach, was es bedeutet, Bürger:in zu sein.

Mein Kiez, meine Hütte, mein … „Geteiltes Gut“ wie er sagt. Dieselben Straßen, Flächen, Orte. Diese Zusammenhänge würden das bürgerliche Bewusstsein prägen, sie würden Nähe einüben. Eine Nähe mit politischem Wert, denn sie fördere gelebte Demokratie. In diesen Zeiten unerlässlich.

Text: Jelena Ćupić, Charlotte Feichtmair
Bild: Luisa Carmen, Charlotte Feichtmair

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