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Vor dem „QUEER-KAFFEHAUS“

Vor dem „QUEER-KAFFEHAUS“ steht ein Mädchen und lacht ins Telefon. Dann erklärt sie ihrem Gesprächspartner auf English: „Its funny, becouse „queer“ is English and „Kaffeehaus“ German.“ Dann erzählt sie, was coffeehouse bedeutet und wovon sie das Wort kennt. Das wundert mich, denn jeder, der Englisch kann, würde „Kaffeehaus“ verstehen. Noch mehr wundert mich, dass es Touristen gibt, denn wer noch hätte sie sein können als eine Touristin.

Selbstverständlich verspüre ich einen starken Wunsch, ihr zu erklären, dass „queer“ inzwischen ein ganz normales deutsches Wort ist, aber man mischt sich natürlich nicht ein.

Olga Martynova
Olga Martynova ist von Februar bis Ende April 2021 Gast im Stuttgarter Schriftstellerhaus. Sie erhält das Lyrikstipendium des Schriftstellerhauses für ihren Zyklus “Speranza”, der in einen geplanten Lyrikband einfließen soll. Olga Martynova, 1962 in Sibirien geboren, aufgewachsen in Leningrad. 1991 zog sie zusammen mit Oleg Jujew (1959-2018) nach Deutschland. Zahlreiche Veröffentlichungen in russischsprachigen Periodika, vier Lyrikbände. Ihre Gedichte sind ins Deutsche, Französische, Schwedische, Italienische, Serbische, und Englische übersetzt. Seit 1999 schreibt sie Buchbesprechungen und Essays für deutschsprachige Medien (u.a. Die Zeit, Frankfurter Rundschau, Neue Zürcher Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung).