Ich kam aus Namibia und fand im „Häusle“ ein zweites Zuhause.

— Giselher Hoffmann, Stipendiat 2004
Aktuelles

Gerlinger Lyrikpreis bzw. Förderpreis 2018 an Walle Sayer und Anne Nimmesgern

Das Stuttgarter Schriftstellerhaus gratuliert sehr herzlich!

Die Petra Schmidt-Hieber Literatur-Stiftung verleiht an Walle Sayer aus Horb den Gerlinger Lyrikpreis 2018. Den erstmals ausgeschriebenen Förderpreis der Stiftung erhält Anne Nimmesgern aus Stuttgart. Die Preise sind mit 7500.-bzw. 2500.- Euro dotiert.

Die Jury – bestehend aus Michael Braun, Irene Ferchl, Hans Thill, Wolfgang Tischer und Henning Ziebritzki – spricht den beiden Lyrikern mit folgenden Begründungen die Preise zu:

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Aktuelles

Podcast-Mitschnitt: Susanne Fritz: »Wie kommt der Krieg ins Kind«

Als junges Mädchen war die Mutter der Autorin nach dem Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin in Polen interniert, eine schreckliche Erfahrung, die sie in sich selbst vergrub. Lange haderte die Tochter mit dem mütterlichen Schreibverbot, dann las sie Briefe und Tagebücher, suchte in Archiven, reiste an die Schauplätze, grub in Erinnerungen. Das lesenswerte Ergebnis ist ihr Buch, zugleich Familien- und Zeitgeschichte, Erzählung und Essay über generationsübergreifende Verletzungen.

Hören Sie hier den Mitschnitt der ersten Salonlesung 2018 in der Reihe »Sie schreibt«. Weiterlesen »

Stipendiaten-Blog

16. Juni 2018

Bei den vielen Lesungen und Gesprächen hier im Haus sowie dadurch, dass ich vielen Leuten mein Exposé und auch den Roman geschickt habe, um beides zu verbessern, ist mir eine Erkenntnis gekommen: Man braucht andere, um sich zu verbessern, das ist bekannt; andere glätten und schleifen Geschichten und Sprache aber auch so lange, bis sie glatt wie Fotomodelle sind und jede Individualität verloren haben. Mir ist das beim Exposé aufgefallen, das ich so lange habe verbessern lassen, bis es auf jeden Roman hätte passen können. Und bei Textauszügen wurde die Sprache so glatt und fein normiert, dass sie nicht mehr auf die schmutzigen und kantigen Figuren passte. Auf Individualität und Originalität ist also aufzupassen, Mitmenschen neigen dazu, sie zu glätten und zu schleifen. Auf der anderen Seite gilt es achtzuhaben, dass Mitmenschen noch mit einem leben können. Zwischen Gefallsucht und Dissozialität liegt der Mittelweg. Merkt ihr, mit den letzten beiden Sätzen bin ich ebenfalls so allgemein geworden, dass jeder nur nicken braucht. Dann aber ist die Grenze überschritten, jenseits werden Sätze unnötig, wir können das Reden und Schreiben einstellen.

Stipendiaten-Blog

14. Juni 2018

Gestern hatte ich einen ausnehmend angenehmen Abend im Kreis der Schreibgruppe Band 2. Cooler Name, was? Die Gruppe zieht offenbar viele Teilnehmer*innen an, es saßen mindestens 20 im Raum. Zuerst ging es um deren nächste Lesungen, das lief ähnlich ab wie bei den ‘Bochumer Literaten’. Es folgte meine Lesung und ein langes Gespräch. Eine Teilnehmerin schenkte der Moderatorin und mir je einen Kräuterstrauß. Der sieht jetzt schön aus auf dem dunklen, ovalen Holztisch und wird bei jedem Vorbeigehen angeknabbert. Einige Blätter landeten heute Mittag auf Gurkensalat und Fisch. Weiterlesen »

Stipendiaten-Blog

10. Juni 2018

Ich schlendere durchs Bohnenviertel, höre Musik und folge ihr. In einem Hinterhof unter einem Torbogen steht eine Bühne. Darauf spielen The Sixteens und stellen ihre CD Behind Our Eyes vor. Das macht gute Laune, falls noch keine da ist.

Gestern zwölf Stunden lang Ludwigsburg und »Blühendes Barock« entdeckt. Was nach blödem Werbeslogan klingt, entpuppt sich als wörtlich zu nehmen. Abwechselnd perfekt gepflegte, bunte Parkanlagen, blühende Lindenbäume, denen auch mal ein Ast beim Sturm abbrechen darf, ohne dass der Förster schon im Voraus in Form schneiden muss. Darunter Damwild, Kleiber, Buchfinken, Ziegen. Wilde Wiesen, die niemand betreten darf, falls doch einmal ein Baum sein Leben aushauchen will.
Angler werfen Köder auf Zielscheiben, die sie auf die Wiese gelegt haben, nicht ins Wasser. Am Ufer schwimmen winzige Inseln in Schwarz, Gelb und Rot mit Füßen unten dran vorbei. Mutter Blesshuhn quiekt, um sie zusammenzuhalten, Vater Blesshuhn knallt die Schnabelhälften aufeinander. Gelbe Lippen öffnen und schließen sich dicht unter der Wasseroberfläche und rufen stumm nach Brotstückchen. Doch wird der Karpfen weder gefressen noch bekommt er zu fressen. Würstle am Ständle. Ich fange an, eure Sprache zu lernen, ich habe Freunde in Stuttgart gefunden, ihr kriegt mich hier nicht mehr raus. Zu dem Satz höre ich den Sound von Ton Steine Scherben.