Ach du Kanalstraße vier, was tät ich ohne dir!

— Armin Ayren
Aktuelles

Zerschlafenes Fundstück

Nach Tagen durchwachsenen Wetters scheint in Stuttgart heute wieder die Sonne. Danke! Aber wem gebührt dieser Dank? Das weiß ich noch immer nicht, dabei bin ich doch schon so alt geworden …

Jedenfalls stiefele ich Tag für Tag die Umgebung ab und lasse mich überraschen. Zum Beispiel fand ich vorgestern in der Rosenstraße, an einen Baum gekettet, ein Fahrrad, das mit Beuteln und Taschen über und über behängt war. Aha, durchzuckte es mich, die Habe eines Obdachlosen. Aber wo war er? Da mir jeglicher Voyeurismus peinlich ist, verlangsamte ich nur meine Schritte, spähte beiläufig hin und her. Erfolglos. Zehn Meter weiter stand, an eine Hauswand gelehnt, eine ausrangierte Matratze. Wäre das Wetter besser, sicher eine willkommene Schlafgelegenheit für den Mann. Oder die Frau?  So aber war sie vollgesogen mit Regenwasser. Das gibt es also auch in Stuttgart. Nicht nur zum Beispiel im Prenzlauer Berg in meiner Heimatstadt, wo oft noch Zettel an Ausrangiertem angebracht sind: Zu verschenken. Zerlederte Sofagarnituren, Plastikstühle, Sprelacarttische stehen oft wochenlang in Wind und Wetter.

Mal sehen, wie lange es hier dauert, bis das gute Stück verschwunden ist.

Aktuelles

Mit Kathrin Schmidt im Nordschwarzwald

Unter den Augen von Berthold Auerbach, dem Dichter aus Horb-Nordstetten, las Kathrin Schmidt (Fotos: Astrid Braun), die Stipendiatin des Schriftstellerhauses von April-Juni 2019, auf Einladung des Dichter-Kollegen Walle Sayer und des Berthold-Auerbach-Literaturkreises aus Horb-Nordstetten. Kathrin Schmidt hatte ihren neuen Lyrikband “waschplatz der kühlen dinge. Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, im Gepäck sowie zwei Erzählungen. Weiterlesen »

Allgemein

Jaroslav Rudiš und Jaromír99 zu Gast in Stuttgart

Die beiden in Stuttgart nicht ganz unbekannten Künstler Jaroslav Rudiš und Jaromír99 waren am 2. April 2019 zu Gast im Literaturhaus Stuttgart. Den Bericht hat Michael Seehoff verfasst, erschienen zuerst in seinem Blog Elsternest. Weiterlesen »

Stipendiaten-Blog

Zeitzonencrash

Warum nur war der 2. April ein Tag, an dem ich mir einen handfesten Aprilscherz zuzog? Ich zweifelte erst fast zuletzt an mir, denn ganz zuletzt war es die Technik, die den Zweifel abbekam. Will das überhaupt jemand wissen?
Nun habe ich angefangen … Ich muss es einfach erzählen.

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Stipendiaten-Blog

Bisch guad akomma?

Aba klaa, jut anjekomm … Es ist zwar kein Aprilscherz, dass mein Koffergriff entzwei ging am Berliner Hauptbahnhof, als ich das schwere Ding in den Zug hieven wollte, aber alles lief gut.  Stuttgart hat sich mit Ranunkeln auf meine Ankunft vorbereitet. Ranunkeln sind meine Lieblingsblumen. An den Verkaufsständen hier stehen sie in allen Farben und Größen. Wunderbar. Vorm Breuninger-Kaufhaus dann mal gleich noch zwei Beete, in denen Ranunkeln die anderen Pflanzen eindeutig dominieren. Noch wunderbarer. Wenn ich an die Wiedergeburt glaubte, würde ich mir eine als Asiatischer Hahnenfuß wünschen. So heißt die Ranunkel nämlich auch. Sie hat ein kurzes Leben, während dessen sie aber sehr gut aussieht.

Warum habe ich mir eigentlich nicht sofort einen Strauß gekauft? Nun ja, in meiner Größe kostet er 12,50 Euro, und ich will ja sparen … Also mache ich erst einmal viele Spaziergänge und schlage mindestens drei Fliegen mit einer Klappe: Ich erkunde die Umgebung, bin auf Ranunkelschau und schaffe die zehntausend Schritte, mein tägliches Pensum. Unterbrochen von Pausen, in denen ich Gedichte lese. Zum Beispiel von Volker Braun. Im kommenden Monat wird er 80 Jahre alt, und ich werde zu seinem Geburtstag antreten, im Berliner Literaturforum im Brecht-Haus für ihn zu lesen. Auch ein neues Gedicht, nur für ihn. Das wird hier entstehen, in Stuttgart.

Schöne Aussichten!