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Buchtipp von Astrid Braun: „Mädchen, Frau etc.“ von Bernadine Evaristo

Cover Evaristo
Cover Evaristo

Einen ganz besonderen Platz wird dieses Buch bei mir erhalten, der Roman „Mädchen, Frau, etc.“, geschrieben von Bernadine Evaristo. Das Hörbuch, eingelesen von der Theaterschauspielerin Constanze Becker, entfachte wahre innere Begeisterungsstürme. Deshalb auch die Idee zum Podcast mit Tanja Handels, der Übersetzerin aus München, die diesen Roman für den Imprint-Verlag Tropen, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, in ein fabelhaftes Deutsch gebracht hat.

Evaristo, Jahrgang 1959, die vierte Tochter von acht Kindern eines Nigerianers und einer Britin, in London aufgewachsen und heute als Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London tätig und stellvertretende Vorsitzende der Royal Society of Literature wurde für diesen Roman mit dem Booker Prize 2019 ausgezeichnet, als erste schwarze Schriftstellerin. Sie teilte sich den Preis mit der grande dame der kanadischen Literatur, Margret Atwood, die ihn schon zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn erhielt. Diese Doppelvergabe ist eine gute Entscheidung gewesen, spannt sie doch zwei wirklich große Literatinnen zusammen, die einander ebenbürtig sind. Auch Evaristo hat bereits acht Romane veröffentlicht, beide schreiten zusammen ein gewaltiges literarisches Universum aus.

Der Roman Evaristos erzählt von 12 Frauen, die irgendwie alle mit der Hauptfigur, der Dramatikerin Amma in Verbindung stehen und zur Premiere von Ammas Theaterstück „Die letzte Amazone von Dahomey“ im National Theatre von London anreisen. Und was für Frauen!  Geschichten „voller Witz und Freude am Lebensgewusel“, heißt es in einer Besprechung im Deutschlandfunk. „So viel Frauenwelt in einem Buch! Sie sind aufmüpfig, widerspenstig, angepasst und wütend, sie werden diskriminiert, ausgegrenzt und ausgenutzt. Einige machen Karriere. Sie sind lesbisch, trans, queer, hetero oder non-binär. Was „normal“ ist, ist schon lange nicht mehr Konsens.“ Zwischen 19 und 93 sind die Frauen und vereinen so viel Lebenserfahrung, so viel Freude und Trauer, so viel Schmach und Ehre – sie repräsentieren ein ganzes Jahrhundert, verstreut über mehrere Länder. Sie sind schwarz oder samtbraun oder auch fast weiß, wobei diese Farbzuteilung ins Absurde geführt wird. Evaristo begibt sich erzähltechnisch in die Innensicht der Frauen und entwirft so extrem unterschiedliche Biografien, die alle auch ein genaues Licht auf die postkolonialen Zustände des britischen Empires werfen.

Dieser wunderbare Roman, so souverän in der Sprache, so schillernd im Ton, so humorvoll bis bewegend, beschreibt die Kultur des Weiblichen in all seinen Facetten.

Bernardine Evaristo: „Mädchen, Frau etc.“ – Booker Prize 2019: Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Tanja Handels. Gebundene Ausgabe, 512 Seiten,  Tropen, Stuttgart 2021, 25 Euro

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Cover Evaristo
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Einen ganz besonderen Platz wird dieses Buch bei mir erhalten, der Roman „Mädchen, Frau, etc.“, geschrieben von Bernadine Evaristo. Das Hörbuch, eingelesen von der Theaterschauspielerin Constanze Becker, entfachte wahre innere Begeisterungsstürme. Deshalb auch die Idee zum Podcast mit Tanja Handels, der Übersetzerin aus München, die diesen Roman für den Imprint-Verlag Tropen, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, in ein fabelhaftes Deutsch gebracht hat.

Evaristo, Jahrgang 1959, die vierte Tochter von acht Kindern eines Nigerianers und einer Britin, in London aufgewachsen und heute als Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London tätig und stellvertretende Vorsitzende der Royal Society of Literature wurde für diesen Roman mit dem Booker Prize 2019 ausgezeichnet, als erste schwarze Schriftstellerin. Sie teilte sich den Preis mit der grande dame der kanadischen Literatur, Margret Atwood, die ihn schon zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn erhielt. Diese Doppelvergabe ist eine gute Entscheidung gewesen, spannt sie doch zwei wirklich große Literatinnen zusammen, die einander ebenbürtig sind. Auch Evaristo hat bereits acht Romane veröffentlicht, beide schreiten zusammen ein gewaltiges literarisches Universum aus.

Der Roman Evaristos erzählt von 12 Frauen, die irgendwie alle mit der Hauptfigur, der Dramatikerin Amma in Verbindung stehen und zur Premiere von Ammas Theaterstück „Die letzte Amazone von Dahomey“ im National Theatre von London anreisen. Und was für Frauen!  Geschichten „voller Witz und Freude am Lebensgewusel“, heißt es in einer Besprechung im Deutschlandfunk. „So viel Frauenwelt in einem Buch! Sie sind aufmüpfig, widerspenstig, angepasst und wütend, sie werden diskriminiert, ausgegrenzt und ausgenutzt. Einige machen Karriere. Sie sind lesbisch, trans, queer, hetero oder non-binär. Was „normal“ ist, ist schon lange nicht mehr Konsens.“ Zwischen 19 und 93 sind die Frauen und vereinen so viel Lebenserfahrung, so viel Freude und Trauer, so viel Schmach und Ehre – sie repräsentieren ein ganzes Jahrhundert, verstreut über mehrere Länder. Sie sind schwarz oder samtbraun oder auch fast weiß, wobei diese Farbzuteilung ins Absurde geführt wird. Evaristo begibt sich erzähltechnisch in die Innensicht der Frauen und entwirft so extrem unterschiedliche Biografien, die alle auch ein genaues Licht auf die postkolonialen Zustände des britischen Empires werfen.

Dieser wunderbare Roman, so souverän in der Sprache, so schillernd im Ton, so humorvoll bis bewegend, beschreibt die Kultur des Weiblichen in all seinen Facetten.

Bernardine Evaristo: „Mädchen, Frau etc.“ – Booker Prize 2019: Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Tanja Handels. Gebundene Ausgabe, 512 Seiten,  Tropen, Stuttgart 2021, 25 Euro