Menü

Weihnachtsempfehlung von Moritz Hildt: „Juan Rulfo, Unter einem ferneren Himmel“

Wir starten unsere Serie „Weihnachtsempfehlungen“ mit Moritz Hildt, der uns Juan Rulfo und seinen Roman „Unter einem ferneren Himmel“ ans Herz legt.

Cover des Romans © Moritz Hildt
Cover des Romans © Moritz Hildt

Der mexikanische Schriftsteller Juan Rulfo (1917–1986) ist ein großer Magier des Kargen. Wie kaum einem anderen gelingt es ihm, durch Aussparungen das Eigentliche zu erzählen, in nüchternen Sätzen eine tiefe Abgründigkeit hervorblitzen zu lassen und mit scheinbarer Nachlässigkeit seine Figuren derart plastisch zu zeichnen, dass sie noch lange nachwirken.

In der wunderbaren Hanser Klassiker-Reihe sind in diesem Herbst unter dem Titel Unter einem ferneren Himmel Rulfos nur drei Veröffentlichungen zählenden „Gesammelten Werke“ erschienen: Die beiden Erzählungsbände Der Llano in Flammen (1953) und Der goldene Hahn und andere Erzählungen (1980) – der eine hat ihn berühmt gemacht, der andere wurde ihm von seinen Bewunderern (darunter Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes  und Gabriel García Márquez) abgerungen – flankieren den eigentümlichsten, faszinierendsten und hintergründigsten Roman, den ich in diesem Jahr gelesen habe: Pedro Páramo (1955). Darin reist der junge Erzähler zu einen kleinen Ort, in dem, wie ihm seine Mutter auf ihrem Sterbebett gesagt hat, sein Vater leben soll, den er nie kennengelernt hat, ein gewisser Pedro Páramo. Es entspinnt sich eine Geschichte über die Sünden der Eltern, die Abgründe unserer Leidenschaften und die Sehnsucht nach Erlösung. Dass es dabei rundheraus unberechenbar zugeht (übrigens für den Leser wie für den Protagonisten selbst), wird spätestens deutlich, wenn der Erzähler die Frau, die er bei seiner Ankunft kennengelernt und die ihm viel über den Ort und seinen Vater berichtet hat, schließlich – und berechtigterweise – fragt: „Sind Sie überhaupt lebendig, Damiana?“

Juan Rulfo: „Unter einem ferneren Himmel.“ Gesammelte Werke. Neu übersetzt von Dagmar Ploetz, Hanser 2021, 542 Seiten.

Wir starten unsere Serie "Weihnachtsempfehlungen" mit Moritz Hildt, der uns Juan Rulfo und seinen Roman "Unter einem ferneren Himmel" ans Herz legt.
Cover des Romans © Moritz Hildt
Cover des Romans © Moritz Hildt
Der mexikanische Schriftsteller Juan Rulfo (1917–1986) ist ein großer Magier des Kargen. Wie kaum einem anderen gelingt es ihm, durch Aussparungen das Eigentliche zu erzählen, in nüchternen Sätzen eine tiefe Abgründigkeit hervorblitzen zu lassen und mit scheinbarer Nachlässigkeit seine Figuren derart plastisch zu zeichnen, dass sie noch lange nachwirken. In der wunderbaren Hanser Klassiker-Reihe sind in diesem Herbst unter dem Titel Unter einem ferneren Himmel Rulfos nur drei Veröffentlichungen zählenden „Gesammelten Werke“ erschienen: Die beiden Erzählungsbände Der Llano in Flammen (1953) und Der goldene Hahn und andere Erzählungen (1980) – der eine hat ihn berühmt gemacht, der andere wurde ihm von seinen Bewunderern (darunter Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes  und Gabriel García Márquez) abgerungen – flankieren den eigentümlichsten, faszinierendsten und hintergründigsten Roman, den ich in diesem Jahr gelesen habe: Pedro Páramo (1955). Darin reist der junge Erzähler zu einen kleinen Ort, in dem, wie ihm seine Mutter auf ihrem Sterbebett gesagt hat, sein Vater leben soll, den er nie kennengelernt hat, ein gewisser Pedro Páramo. Es entspinnt sich eine Geschichte über die Sünden der Eltern, die Abgründe unserer Leidenschaften und die Sehnsucht nach Erlösung. Dass es dabei rundheraus unberechenbar zugeht (übrigens für den Leser wie für den Protagonisten selbst), wird spätestens deutlich, wenn der Erzähler die Frau, die er bei seiner Ankunft kennengelernt und die ihm viel über den Ort und seinen Vater berichtet hat, schließlich – und berechtigterweise – fragt: „Sind Sie überhaupt lebendig, Damiana?“ Juan Rulfo: "Unter einem ferneren Himmel." Gesammelte Werke. Neu übersetzt von Dagmar Ploetz, Hanser 2021, 542 Seiten.