Drei Fragen an Lara Rüter

Lara Rüter, Foto: Rainer Koch
Lara Rüter, Foto: Rainer Koch

Die Stipendiatin des Stuttgarter Lyrikstipendiums ist in der Kanalstrasse eingezogen.

Willkommen im Schriftstellerhaus!

„Affenliebe“ heißt Lara Rüters aktuelles Buch, in dem es über Primaten in einem Forschungszentrum in Leipzig geht. Ihr Thema: Die ungreifbare Nähe zwischen Affe und Mensch.

In den nächsten drei Monaten wird sie unsere Stipendiatenwohnung beleben und auch an unserer Projektwoche „Stuttgart schreibt“ im September teilnehmen. Um sie und ihr Buch besser kennenzulernen, habe ich ihr drei Fragen gestellt:

Dein aktuelles Buch bewegt sich zwischen wissenschaftlicher Akribie und poetischer Assoziation. Kam das als bewusste Entscheidung zu dir, oder hat das Thema diese Struktur erzwungen? 

Weder noch, der Grund war eher die Arbeit im Affenhaus selbst. Ich kam als Dichterin ins Forschungsinstitut und hab die Poesie nie zu Hause gelassen. Ich fürchte, mein Denken funktioniert ohnehin sehr assoziativ sprunghaft. Konkret kann das heißen: Ich stehe vor dem Silberrücken Abeeku und muss natürlich an Sabine Schos Gedicht „gorilla“ denken. Oder: Ich soll testen, wie die Affen sich orientieren und denke an ein Rollenspiel am Computer. Oder eben: Wir dürfen die Affen nicht berühren, und dann denke ich an „I touch myself“ von der Band Divinyls. Ich habe versucht, diesen Sprüngen literarisch nachzugehen.

Das menschliche Bewusstsein funktioniert stark über Unterschiede: Wir erkennen uns selbst oft erst dadurch, dass wir uns von anderen abgrenzen. Glaubst du, Affen kennen diese Trennung zwischen sich und der Welt?

Auf diese abstrakte Art wie Menschen das tun, sicher nicht. Aber sie bestehen den Spiegeltest, was bedeutet, sie besitzen ein Ich-Bewusstsein, wie auch bspw.  Delfine, Elefanten, Elstern und Raben. Wer sich selbst erkennt, weiß, dass er sich in einem System befindet. Sie erkennen, wer mehr Essen als sie bekommt, wer stärker oder schwächer als sie ist, oder an welcher Stelle der Gruppen-Hierarchie sie sich befinden und passen ihr Verhalten je nach dem an. Vielleicht ist es nicht so fein wie unseres, aber frei von Vergleichen ist es nicht, sonst wäre ein solch komplexes Sozialverhalten wie das ihre nicht möglich.

An Deinem ersten Abend in Stuttgart hast Du Dich als Spätzle-Fan bekannt. Was macht diese Teigware für Dich so besonders?

Ich bin mir sehr sicher, dass auch Cotta mit Goethe Spätzle gegessen hat, bevor er ihn verlegt hat. Die Kombination aus Nudel, Käse, Salz (und Trüffel) ist die gefährlichste Verführerin für Dichter:innen.

Text: Rainer Koch

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