Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Ach du Kanalstraße vier, was tät ich ohne dir!

— Armin Ayren

Hallo Stuttgart

Hallo, Stuttgart. Ich bin jetzt da. Ich weiß du lümmelst noch in den Ferien herum und versteckst dich im Schnee. Ich weiß, du hast mich noch nicht wirklich gesehen. Einmal in der Schreibwerkstatt angekommen, fällt es schwer gleich wieder das Haus zu verlassen. Vielleicht hörst du mich manchmal schon die Treppen auf- und ablaufen. Vielleicht hörst du meine Schreibplaylist und das Rascheln der Zeitung. Vielleicht wunderst du dich über seltsame Träume und dass so früh am Morgen schon Licht am Fenster. Ich bin es nur. Ich schreib da. Und schön ist’s.

28. Juni 2018

Ich bin unablässig damit beschäftigt, Menschen zu treffen und mich von ihnen zu verabschieden, die ich hier kennen- und schätzen gelernt habe.
Besonders gefreut hat mich, dass ich zwei junge Frauen vernetzt habe, die beide sehr kreativ sind, gute Ideen haben und dabei sind, jeweils einen Verlag zu gründen. Was läge da näher als ein Erfahrungsaustausch?
Ich selbst profitiere von einem Gespräch mit der erfolgreichen Autorin Sudabeh Mohafez. Sie hat mir Mut zu Schritten gemacht, die ich bisher nicht gewagt habe.
Bald steht mir der Abschied von Astrid Braun bevor. Was war das schön, nicht allein im Haus zu sein, sondern mal eben hinunter zu ihr ins Büro steigen zu können oder von ihr die SMS zu empfangen: »Essen?«
Ich werde euch alle so sehr vermissen!

23. Juni 2018

Gestern Salon-Lesung Sudabeh Mohafez. Sie kann sowohl Komik wie Tragik. Jede Geschichte wirkt authentisch, selbst wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Und ihre Persönlichkeit kommt so freundlich rüber. Das Publikum fühlt sich angenommen und gemocht.

Auch sie war Stipendiatin in diesem Haus und hat sich in Stuttgart verliebt. Sie ist geblieben…

22. Juni 2018

Ein Gang über die weiten, ungemähten Grasflächen unter den solitären Bäumen des Rosensteinparks führt in das heiße und hinreißende Wilhelma Theater. Kurt Weills Street Scene kann mich allerdings nicht begeistern. Der Versuch, die amerikanische Flüchtlingslagersituation auf heutige Lager zu übertragen, wirkt gezwungen und hebt das Veraltete eher noch hervor. Weiterlesen »

16. Juni 2018

Bei den vielen Lesungen und Gesprächen hier im Haus sowie dadurch, dass ich vielen Leuten mein Exposé und auch den Roman geschickt habe, um beides zu verbessern, ist mir eine Erkenntnis gekommen: Man braucht andere, um sich zu verbessern, das ist bekannt; andere glätten und schleifen Geschichten und Sprache aber auch so lange, bis sie glatt wie Fotomodelle sind und jede Individualität verloren haben. Mir ist das beim Exposé aufgefallen, das ich so lange habe verbessern lassen, bis es auf jeden Roman hätte passen können. Und bei Textauszügen wurde die Sprache so glatt und fein normiert, dass sie nicht mehr auf die schmutzigen und kantigen Figuren passte. Auf Individualität und Originalität ist also aufzupassen, Mitmenschen neigen dazu, sie zu glätten und zu schleifen. Auf der anderen Seite gilt es achtzuhaben, dass Mitmenschen noch mit einem leben können. Zwischen Gefallsucht und Dissozialität liegt der Mittelweg. Merkt ihr, mit den letzten beiden Sätzen bin ich ebenfalls so allgemein geworden, dass jeder nur nicken braucht. Dann aber ist die Grenze überschritten, jenseits werden Sätze unnötig, wir können das Reden und Schreiben einstellen.