Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Schöpferisch und friedlich war mein Leben im Schriftstellerhaus. Mit Schwermut verlasse ich den Ort.

— Fuad Rifka, Lyriker, Hölderlin-Spezialist aus Beirut, 2002

Wo sind die Dichterinnen?

Die letzten Stipendienwochen sind nicht nur von einer Zeitschwundkrankheit befallen. Nein, dazu kommt auch noch, dass alle plötzlich ihre Stuttgart-Tippliste verdreifachen. Wenn ich alles machen möchte, was mir vorgeschlagen wurde, bräuchte ich bitte noch drei Monate Stipendium, von denen ich ein Monat schreibe und zwei 24/7 unterwegs bin. Kurz. Ich hab schon Abreisepanik. Ich läster daheim nicht mal mehr über den Feinstaub. Wäscht eh der Regen weg, denke ich. Die Stadt sehe ich tagsüber kaum noch, laufe immer nur nachts durch die Gegend und tagsüber haue ich in die Laptoptasten, als kuckten mir alle Dichter in der Wohnung gesammelt über die Schulter. Wenn ich an dieser Stelle mal einen Stipendiatenwohnungsumgestaltungsvorschlag machen dürfte. Ich stelle mir schon seit Beginn die Frage: Wo sind die Dichterinnen? Ich kann als lokale Poetinnen nur jene aufzählen, die ich mir im literarischen Stadtführer begegnet sind. Bitte, erleuchtet mich.

nur einmal (brezel) fliegenpilz zum frühstück

Liebe (treue) Blogleserinnen und Leser. Ich möchte mich heute einfach einmal bedanken. Immer wieder höre ich, dass mein regelmäßiges Berichten über mein Stuttgarterleben mit Neugier und Freude verfolgt wird. Für mich ist es Reflexion, Chronik, Grundlage für poetische Texte und ein sanfter Druck immer wieder nach außen zu gehen. Mehr kann ich gerade nicht sagen, weil ich bin viel zu aufgeregt & aufgedreht: Mein Gedichtband ist da! Mehr dazu hier. Und ab Montag auch im Buchladen eures Vertrauens, den ihr hoffentlich noch habt. Ansonsten – macht euch schleunigst auf die Suche. Bei Amazon gekaufte Bücher signiere ich nicht. Wunschlos. (Noch) eure Poetin.

ferner fliegenpilze

EntSCHeidungsschwierigkeiten

In meinem Kopf ein ganzes B-logbuch. Seitdem ich in meinem Herzensstädtle war, hat Stuttgart den Kampf aufgenommen, meine Lieblingshügelstadt zu werden. Sie frühlingt mich hin- und her und bewegt mich zu Sprachspieleinheiten, die mich zu einem Wochenbericht in sch- bewogen haben. Ich hab extra ein bisschen Wien eingebaut, damit ihr auch Mal was von mir lernt:

schreiben, schwimmen, schnurren, schludern, schwätzen, schorlen, schachern, scherzen, schönreden. schaustellen, schlunzen, schlemmern, schlampern, schnurlen, schlingen, schäkern, schimmern, schwärmen, schaffen, schleppern, schlummern, schunkeln, schmaddern, schlazen, schlafen, schlingeln,  schlotzen, schützen, schlängeln, schwindeln, schleimen, schmusen, schimpfen, schlichten, schnarchen,  schustern, schlurfen, schnecken, schlendern, schlecken, schlawinern, schicksein. schäumen, schlüpfen, schnackseln, schneuzen, schasen, schrammeln, schauen, scheppern, schrumpfen, schröpfen, schimmeln, schrecken, schluckauf, schachmatt.

 

Are you happy?

Heute hab ich den Tag fast noch besser gestartet, als mit Lyrik. Ich habe mir nämlich gleich einen Morgenspaziergang durch den Postregennebel über die Karlshöhe gegönnt und habe dann im Heslacher Schwimmbad meine Runden gedreht, 28, für jedes Lebensjahr eine (ja, meine Geburtstagswoche neigt sich gerade dem Ende zu). Ich genieße anregende Lyrikdiskussionen im Haus, wieder wunderbare Konzerte & Lesungen, auch wenn mich die dichte Luft und die ewigen Wortkklaubereien (Káffee nicht Kaffée, Süppchen aber Sößle) regelmäßig zur Verzweiflung bringen. Immerhin kann ich mittlerweile ganz lässig eine Seele bestellen, mein Schritttempo der Charlottenplatzschen Ampelschaltung anpassen und von diversen Hügeln aus orten, wo ich gerade bin. Stuttgart wird langsam ein Zuhause. Meine Titelfrage habe ich übrigens von meinem Musikvideotipp fürs Wochenende geklaut. Und sollte ich morgen beim Schnurren gekidnappt werden: Stuttgart, es war sehr schön.

 

Schreibwochen sind die besten.

Meine Woche: Gedichte. Gedichte. Gedichte. Gibt es etwas Schöneres? Nein. Gedichte meiner Nachfolgerin hier gelesen. Also, ich lese sie immer noch. Oft. Das ist doch das Tolle an Gedichten. Man kann sich von ihnen durch den Tag tragen lassen. Gedichte geschrieben. Gedichte vorgelesen. Schwebe also so zwischen Worten herum und lasse mich zwischendurch ein wenig durch die Stadt treiben. War das erste Mal in der Stadtbibliothek. Traue mich nicht wieder hinzugehen, weil ich Angst habe, nicht mehr raus zu kommen. Ruft Erinnerungen wach. Als Kind habe ich die ganze Kinderbücherei bei uns in der Stadt ausgelesen. Im Urlaub immer eine volle Bücherkiste. Ein Buch pro Tag, so hatte ich mir das ausgerechnet. Ich wünschte manchmal, ich hätte damals schon Listen geführt über mein Leseverhalten. Meine Wochenendlektüre wird übrigens der neue Band von Michelle Steinbeck. Wunderbare Aussichten.