Kanalstraße 4 - Das Stipendiatenblog des Stuttgarter Schriftstellerhauses

Ich kam aus Namibia und fand im „Häusle“ ein zweites Zuhause.

— Giselher Hoffmann, Stipendiat 2004

10. Juni 2018

Ich schlendere durchs Bohnenviertel, höre Musik und folge ihr. In einem Hinterhof unter einem Torbogen steht eine Bühne. Darauf spielen The Sixteens und stellen ihre CD Behind Our Eyes vor. Das macht gute Laune, falls noch keine da ist.

Gestern zwölf Stunden lang Ludwigsburg und »Blühendes Barock« entdeckt. Was nach blödem Werbeslogan klingt, entpuppt sich als wörtlich zu nehmen. Abwechselnd perfekt gepflegte, bunte Parkanlagen, blühende Lindenbäume, denen auch mal ein Ast beim Sturm abbrechen darf, ohne dass der Förster schon im Voraus in Form schneiden muss. Darunter Damwild, Kleiber, Buchfinken, Ziegen. Wilde Wiesen, die niemand betreten darf, falls doch einmal ein Baum sein Leben aushauchen will.
Angler werfen Köder auf Zielscheiben, die sie auf die Wiese gelegt haben, nicht ins Wasser. Am Ufer schwimmen winzige Inseln in Schwarz, Gelb und Rot mit Füßen unten dran vorbei. Mutter Blesshuhn quiekt, um sie zusammenzuhalten, Vater Blesshuhn knallt die Schnabelhälften aufeinander. Gelbe Lippen öffnen und schließen sich dicht unter der Wasseroberfläche und rufen stumm nach Brotstückchen. Doch wird der Karpfen weder gefressen noch bekommt er zu fressen. Würstle am Ständle. Ich fange an, eure Sprache zu lernen, ich habe Freunde in Stuttgart gefunden, ihr kriegt mich hier nicht mehr raus. Zu dem Satz höre ich den Sound von Ton Steine Scherben.

5. Juni 2018

Jetzt freue ich mich über eine weitere Vorstellung, Lesung und ein Gespräch im Stuttgarter Schriftstellerhaus am 13. Juni um 19:45 Uhr.

1. Juni 2018

Sonntag den 3. von 15 – 16 Uhr gibt es auf FRS http://www.freis-radio.de eine Sendung mit mir. Ich werde 20 Min. lesen, 20 Min. reden wir und für 20 Min. soll ich meine Musikauswahl mitbringen. Passend zu einem der Lesetexte bringe ich ein paar David-Bowie-Songs und Ray Paradise mit. “Mediations in a first fight” der Band “The Town and the City” lief meines Wissens erst zweimal im Radio, und zwar in Berlin, als wir in Bowies ehemaligem Stammcafé “Neues Ufer” auftraten. Ich liebe diese Erinnerung.

28. Mai 2018

Ehemalige Stipendiatinnen fragten mich oft: »Ist es nicht arg heiß in deiner Stipendiatenwohnung?« »Nö«, antwortete ich, »ich finds angenehm.« Und wunderte mich über die empfindlichen Poeten.
Seit zwei Tagen weiß ich, wovon sie reden. Weiterlesen »

23. Mai 2018

Lyrik lese ich am liebsten im Café. Die Lyrik von Mark Burrows, unserem Kollegen bei den Bochumer Literaten, am besten im Weltcafé im Institut für Auslandsangelegenheiten gegenüber dem Schriftstellerhaus. Ich sitze im Innenhof des ehemaligen Waisenhauses aus dem 18. Jhd. unter einer Linde. Das einzige, was mich hier von den Gedichten ablenkt, sind junge Leute unterschiedlichster Sprachen und Hautfarben. Es ist, als sei die Intention von Marks Lyrik schon verwirklicht: Wir hören auf die Natur und folgen ihrem Beispiel an verschwenderischer Vielfalt, Miteinander, Achtung und Geduld. »The Chance of Home« heißt der Band. Weiterlesen »